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Die dju will wachsen

Mitgliederversammlung in Nürnberg

Die dju will wachsen

Rechenschaftsbericht vorgetragen - Spannende Diskussion nach Vortrag

Jedes Mitglied wirbt ein Mitglied: Diese Devise hat der Sprecher der dju Mittelfranken, Klaus Schrage, anlässlich der Mitgliederversammlung ausgegeben. In seinem Rechenschaftsbericht wies er zwar darauf hin, dass die Mitgliederzahl der regionalen Fachgruppe in 2016 stabil gewesen sei. Angesichts der bestehenden und kommenden Herausforderungen reiche dies aber nicht aus.

Es brauche unter den Journalisten*innen ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass sich die Gewerkschaft ausschließlich aus Beiträgen finanziert. Dies bedeute, dass die Qualität unserer Arbeit unmittelbar davon abhängt, wie stark die Basis der Mitgliedschaft ist. Aus den Beiträgen würden auch die hauptamtlichen Kräfte finanziert. Der Medien-Fachbereich von ver.di habe in den zurückliegenden Jahren stark unter dem Schließen von Druckbetrieben gelitten. Den so entstandenen Verlusten in der Mitgliedschaft müsse begegnet werden.

Eine starke Journalisten-Gewerkschaft sei aber sowieso erforderlich. Jobverluste durch Konzentrationsprozesse und Tarifflucht müssten gestoppt werden. Auch die Bezahlung von Freien bleibe ein akutes Thema. Denn auch ansonsten faire Verlage weigerten sich, diesen Mitarbeitern*innen angemessene Honrorare - etwa die mit der Gewerkschaft vereinbarten Vergütungsegeln - zu zahlen. Diesen Problemen könne nur eine starke und gut vernetzte Gewerkschaft mit solidarisch handelnden Mitgliedern begegnen.

Erfolg mit Daten?

Das fachliche Schwerpunktthema des Abends lautete Datenjournalismus. Die Mitgliederversammlung knüpfte damit inhaltlich an den dju-Journalistentag an, welcher wenige Tage zuvor in Berlin stattgefunden hatte. Dort anwesende Mitglieder lobten den Verlauf dieses Kongresses. Die Gewerkschaft habe das Thema facettenreich beleuchtet. Sie habe sich voll auf der Höhe der Zeit präsentiert. Auch deshalb, weil mehr Frauen als Männer refereriert habe

Mario Haim, Medienforscher an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, zeigte die Chancen und Grenzen von Datenjournalismus auf.  Am Beispiel des Projekts pollyvote.com erläuterte er, wie die Wahl des US-Präsidenten von Umfragedaten analysiert und letztendlich falsch vorhergesagt wurden. Anhand einiger Beispiele stellte er dar, wie Redaktionen schon heute erfolgreich mit Daten arbeiten.

Den Ablauf bei Roboterjournalismus beschrieb er wie folgt: Datensammlung, Informationen analysieren / identifizieren, Informationen priorisieren. Was im Text vorne zu stehen hat, muss man der Maschine sagen. Der geplante Artikel sei zu strukturieren, erst dann werde daraus Sprache. Weil dieser Schritt zuletzt erfolge, könnten die Texte in mehreren Sprachen ausgegeben werden.

Roboterjournalismus funktioniere bereits bei Sport, Wetter, Verkehr und Börsen, so Mario Haim. Er sei auch immer dann eine Option, wenn große Mengen an Artikeln nicht mehr mit Journalisten*innen bewältigt werden könne. So habe sich die Los Angeles Times entschlossen, sämtliche Polizeiberichte zu veröffentlichen.Die Redaktion könne dies nicht bewerkstelligen, also würden die Berichte automatisiert.  Genauso werde mit Quartalsberichte US-amerikanischer Konzerne verfahren. Die Leser*innen reagierten aufgeschlossen, so Haim. Sie schätzten am Roboterjournalismus die mutmaßlich größere Objektivität.

Lebendige Fachgruppe

Klaus Schrage hatte die dju Mittelfranken zuvor als aktive Fachgruppe. Besonders erfreut zeigte er sich über die Entwicklung eines besonders von Wolfgang Mayer und ihm selbst unterstützten Radioprojekt für Toleranz und gegen Flucht in Mali. Die dort produzierten Spots äinden große Beachtung. Zuletzt hätten Beiträge über Frauenförderung sowie Frauenbeschneidung eine große Resonanz gefunden. Das Projekt könnte auf Burkina Faso ausgeweitet werden. Bei einem dort durchgeführten Treffen von möglichen Aktiven und Unterstützern in dessen Hauptstadt Ouagadougou habe es viel Beifall für die dju Mittelfranken gegeben.

Das Veranstaltungsprogramm sei ansehnlich. Es wurde über Statusfragen von Freien und speziell über Scheinselbstständigkeit informiert. Georg Escher bestritt für die dju Bayern in München ein Podiumsgespräch über die Lage der Medien in der Türkei. Man habe den Alternativen Medienpreis aktiv unterstützt und sei Partner bei einer Veranstaltung des Nürnberger Presseclubs zum Welttag der Pressefreiheit gewesen. Eine schöne gesellige Aktion sei ein Ausflug ins Kloster Plankstetten gewesen.

Berichte aus den Gremien

Aus verschiedenen Gremien bericheten die dort vertretenen Mitglieder. Informiert wurde über die Beratungen im dju-Bundesvorstand, beim Landes-Aktiventreffen, in der Internationalen Journalistenföderation und im Deutschen Presserat. Dessen Mitglied Angela Giese berichtete von Bestrebungen der Verleger, die Richtlinie 12.2 (Herkunftsnennung bei Straftaten) zu Fall zu bringen. Vor allem Springer dränge auf eine Freigabe der Herkunftsnennung. Der Ausgang dieser Diskussion sei offen,

Über die weiterhin schwierige Lage in Sachen Vergütungsregeln berichtete Heinz Wraneschitz. Nach der Novelle des Urheberrechts sei ungewiss, wie der Verleger auf das darin enthaltene Verbandsklagerecht reagierten . Positiv im neuen Gesetz ist ein Auskunftsrecht über die mehrfache Nutzung von Beiträgen. Laut dju-Geschäftsführerin Cornelia Hass „überlegen sich Verlage möglicherweise etwas Positiveres, wenn sie von Freien bmobardiert werden mit Auskunftsanträgen“.Die abschließende Nachfrage: „Dürfen die Verleger das einfach kündigen?“ wurde beantwortet mit „Ja“.   wra/kls