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Wenn die Maschine schreibt...

Web-Konferenz der dju mit Professor Markus Kaiser

Wenn die Maschine schreibt...

Roboterjournalismus kann das Angebot der Medien bereichern

Es kommt darauf an, was man daraus macht. Aus diesem Blickwinkel sollten Medienhäuser und ihre Redaktionen das Nutzen von so genanntem Roboterjournalismus sehen. Eine von der dju Mittelfranken organisierte Webkonferenz mit Profesor Markus Kaiser von der TH Nürnberg war eine gute Gelegenheit, die Möglichkeiten von maschinell erzeugtem Content zu diskutieren.

Sport-Meldungen, Börsen- und Wetterberichte werden für verschiedene Medien bereits seit Längerem maschinell erzeugt. Längst aber gehe es, so Markus Kaiser, nicht mehr bloß darum, die Redaktionen durch das Erzeugen von Massenware zu entlasten. Mit der entsprechenden Software sei viel mehr möglich.

So könnten automatisch generierte Texte eine gute Unterstützung für Rathaus-Reporter*innen sein. Letztere schilderten den Verlauf einer Diskussion, der durch Software erzeugte Text erkläre anhand von Daten das Thema näher und biete Leser*innen zusätzliche Perspektiven. Allerdings funktioniere dies nicht einfach so. Je komplexer die Aufgaben, desto besser müsste die Software durch die Redakteur*innen angelernt werden. Und nicht nur durch diese. So biete die Firma AX Semantics, neben der Firma Retresco einer der deutschen Marktführer in Sachen maschineller Inhalte-Erzeugung, ihre Software gegen eine erschwingliche Monatsgebühr im niedrigen dreistelligen Bereich an. Insofern könnte es eine gute Verdienst-Chance für freie Journalist*innen sein, spannende Inhalte maschinell erzeugen zu lassen.

Der gelernte Zeitungsredakteur Markus Kaiser bedauert die in der Medienbranche verbreitete Skepsis oder gar Ablehnung gegenüber Roboterjournalismus. Klaus Schrage, Sprecher der dju Mittelfranken, erklärte dies mit der Entwicklung der Arbeitsbedingungen in der Branche. Es gebe Angst vor Jobverlust, zugleich erführen Journalist*innen seitens ihrer Arbeit- oder Auftraggeber eine wachsende Geringschätzung. Dies sei keine gute Grundlage, um möglicher Rationalisierungs-Software aufgeschlossen zu begegnen.

Markus Kaiser hält dies gleichwohl für unbedingt erforderlich. Ihm komme es darauf an, dass die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz auf einer gesunden ethischen Basis und nicht zur Desinformation genutzt würden. Hier habe er in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie auch in etablierte Medienhäuser durchaus Vertrauen. Zudem zeigten Portale wie Correctiv oder Krautreporter, wie mit datengestütztem Journalismus gute Arbeit im Sinne der Demokratie geleistet werde. Auch die Gewerkschaften müssten sich dem Thema mit einer größeren Offenheit widmen. Denn es seien noch viele rechtliche und ethische Fragen zu klären.

Die Zukunft werde im Medienbereich viele neue Entwicklungen bringen, ist der TH-Professor sicher. An seiner Hochschule zum Beispiel befasse sich ein Projekt mit künstlicher emotionaler Intelligenz, welche für die Interaktion mit Usern genutzt werden könnte. Für die nähere Zukunft rechnet er verstärkt mit maschinell erzeugten Audio- und Video-Angeboten. Für Markus Kaiser gilt auch hier: Chancen gibt es viele. Nutzen entsteht, wenn man sie richtig einsetzt.                                              kls