"Rat der 25" tagte erstmals

Anregende Diskussion

Vorstand traf ausgeloste Teilnehmer*innen - Neuauflage geplant
18.12.2023

Ein überschaubarer Teilnehmerkreis, zudem oft dieselben, allmählich älter werdenden Gesichter: Die aktiven Akteure der ver.di-Fachgruppe Medien, Journalismus und Film in Mittelfranken waren nicht mit den Inhalten, wohl aber mit der Resonanz auf ihre jüngsten Veranstaltungen unzufrieden. Wie bringt man frischen Wind in die ehrenamtliche Gewerkschaftsarbeit? 
Vor diesem Hintergrund gibt Fachgruppen-Vorstandsmitglied Klaus Schrage den Anstoß zu einer ungewöhnlichen Aktion: Man lädt zum „Rat der 25“ ins Nürnberger Gewerkschaftshaus. 25 berufstätige Mitglieder aus der Fachgruppe sollen eingeladen werden, um bei Snacks und Getränken zu berichten, was sie von ihrer Gewerkschaft erwarten. Mit ihrer Teilnahme gehen sie keinerlei Verpflichtung ein. Wer dabei sein darf, entscheidet das Los. Dank intensiver hauptamtlicher Unterstützung können Fachgruppen-Vorsitzender Marco Puschner, Schrage und Vorstandsmitglied Benjamin Huck Losfee spielen und aus einer prall gefüllten Trommel 25 Zettel mit den Namen der Auserwählten ziehen. Erwartungsgemäß kommt nur ein Teil der Eingeladenen. Aber es entsteht eine, gemessem an den üblichen Versammlungen, bunte inhaltliche Diskussion. Dabei ist zum Beispiel die Buchautorin und prominente Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair, die sich bei ver.di unter anderem im Arbeitskreis Antifaschismus einbringt. Die Initiative zum „Rat der 25“ beurteilen die Anwesenden unterschiedlich: Während Mair beispielsweise an der Idee Gefallen findet, zweifelt ein anderer Kollege, der als Content-Manager in der Versicherungsbranche arbeitet, am Sinn des Unterfangens: „Ich weiß gar nicht, was ihr von mir wollt.“
Dennoch ist er dann gleichsam als Advocatus Diaboli engagiert dabei, als knapp zwei Stunden lang darüber diskutiert wird, wie man Menschen für Gewerkschaftsarbeit gewinnen kann und welche Veranstaltungen interessant sein könnten. Er rät dazu, mehr auf Online-Formate zu setzen, um den Leuten An- und Abfahrt zu ersparen. Im Sommer zögen aber auch solche Veranstaltungen nur wenig Publikum an, gibt Mair zu bedenken.
Ein Zeitungsvolontär glaubt, dass verstärkte Aufklärungsarbeit in Tariffragen auf Interesse stieße – gerade, wenn Verhandlungen mit den Arbeitgebern anstehen. 2024 läuft zum Beispiel der Gehaltstarifvertrag für Tageszeitungsredakteure aus. Zudem regt er an, Wanderausflüge mit gewerkschaftlichem Input anzubieten. Er kenne Kolleginnen und Kollegen, die kurz davor seien, in die Gewerkschaft einzutreten, bräuchten aber einen letzten Impuls. Eine im Privatfunk beschäftigte Kollegin meint, dass es angesichts der dortigen Arbeitsbedingungen einen größeren Organisationsgrad bräuchte. Ihre Kolleginnen und Kollegen seien in dieser Hinsicht viel zu zurückhaltend.
Das Experiment mit dem „Rat der 25“ will der Fachgruppenvorstand fortsetzen: Im Jahr 2024 soll es eine zweite Auflage geben, dann werden wieder Zettel gezogen. Wachsen dürfte das Gremium bei dieser Gelegenheit. Denn die Teilnehmer*innen der ersten Sitzung haben erklärt, dass sie wieder dabei sein wollen.   mpu/kls