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Trauer um Helmut Reister

Nürnberger Investigativ-Journalist ist gestorben

Trauer um Helmut Reister

Der begnadete Rechercheur war viele Jahre unser Mitglied

Er war ein Investigativ-Journalist wie aus dem Bilderbuch. Zurückhaltend im Auftreten, aufmerksam, analytisch, mit der Zigarette in der Hand auf der Suche nach der exklusiven Nachricht. Und mit seinem Berichten über die so genannte "Modellbau-Affäre" hat Helmut Reister vor sieben Jahren den Rücktritt der damaligen Leiterin der Bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, ausgelöst und damit ein Stück bayerische Geschichte geschrieben. Die Politikerin und ihr Ehemann sollen die ungewöhnlichen handwerklichen Fähigkeiten eines in der Psychiatrie untergebrachten Schwerverbrechers genutzt haben, um sich finanziell zu bereichern. Ganz aufgeklärt wurde die Affäre nie.

Helmut Reister startete seine Karriere als Lokaljournalist in Westmittelfranken. Schon bald etablierte er sich auf dem Boulevard, wo er insbesondere als Polizeireporter Jagd auf exklusive Nachrichten machte. Bei der Nürnberger Abendzeitung wurde er bis zu deren wirtschaftlichem Scheitern zum prägenden Autoren. Noch Mitte Dezember 2021 hat er für die Münchner Abendzeitung geschrieben.

Unser Kollege war ein journalistischer Einzelkämpfer. Er handelte nicht im Auftrag von Redaktionen, sondern spürte den Fakten nach und bot dann die fertige Geschichte an. So war das bei seinen Recherchen über die Wehrsportgruppe Hoffmann und über das Okotoberfest-Attentat. Bedauert hat Helmut Reister die Entwicklung des modernen Journalismus, dem er vorwarf, gegenüber den Mächtigen zu unkritisch zu sein. Bei einer dju-Podiumsdiskussion, auf der 2015 die journalistischen Recherche-Methoden nach dem Absturz der Germanwings-Maschine iin den französischen Alpen diskutiert wurden, machte er seine Einstellung deutlich: "Wenn ich mit der Partnerin des Piloten spreche, erfahre ich viel mehr., als wenn ich beim Pressesprecher der Fluggesellschaft befrage."

Bei alldem wurde seine Arbeit weit über die Grenzen des Boulevards hinaus respektiert. Auch die großen Magazine Spiegel und Stern schätzten seine Beiträge. Nicht zuletzt belieferte Helmut Reister die Jüdische Allgemeine. Deren Redaktion ließ die Polizei nach ihm fahnden, nachdem ein Artikel des immer absolut zuverlässigen Journalisten ausgeblieben war.

Unser Kollege wurde tot in seiner Wohnung gefunden. Er hinterlässt eine erwachsene Tochter. Er wird uns, aber auch vielen Leseriinnen und Lesern fehlen.   kls