Vortrag und Diskussion in Nürnberg

Was verändert die KI?

Professorin Gabi Hooffacker
18.05.2023
Dankeschön für den Vortrag Fachgruppen-Vorsitzender Marco Puschner bedankte sich bei Gabi Hooffacker mit dem Buch "Gedichte für glückliche Stunden".

"Neue Öffentlichkeiten: Das Publikum im Mittelpunkt?“ So lautete das Thema eines Vortrags- und Diskussionsabends in Nürnberg. Die ver.di-Fachgruppe Medien Mittelfranken hatte als Referentin Gabi Hooffacker, Professorin an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig und Gründerin der Münchner Journalistenakademie, eingeladen. 

Fachgruppen-Vorsitzender Marco Puschner hob in seiner Begrüßung die enge Verbindung von Gabi Hooffacker zu ver.di sowie insbesondere zur Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) hervor. So gewähre die Journalistenakademie dju-Mitgliedern einen Rabatt von 50 Prozent auf die Lehrgangsgebühren. Auch der von der Nürnberger Medienakademie und  der Stiftung Journalistenakademie veranstaltete Alternative Medienpreis sei hier zu nennen. Dieser werde von ver.di/dju Mittelfranken seit vielen Jahren finanziell unterstützt.

Helfen Tracking und Künstliche Intelligenz (KI), dem Publikum ein befriedigenderes Medien-Erlebnis zu verschaffen? Gabi Hooffacker sprach von einem klaren Trend in allen Mediengattungen, den Interessen der Nutzer*innen nachzuspüren und das eigene Angebot entsprechend auszurichten. Man wolle, so ein anwesender Zeitungsredakteur, die Bedürfnisse der Leser*innen verstehen. Hier sei Analyse-Software ein sehr gut geeignetes Hilfsmittel. Man könne sehr gut nachvollziehen, wie zum Beispiel im E-Paper veröffentlichte Beiträge genutzt würden. Strikte Orientierung am Publikum beziehungsweise am Massen-Geschmack führe letztlich zu Mittelmaß, lautete eine andere Meinung. Es drohe, dass Redaktionen auf spannende, aber spezielle Themen verzichteten, weil es sich mutmaßlich nicht lohne. So würde Journalismus zur Handelsware. Ein anderer Diskussionsteilnehmer gab zu bedenken, dass Medienhäuser mehr denn je auf einen wirtschaftlichen Erfolg angewiesen seien. Das könne nicht einfach ignoriert werden.

Aber was kann KI? Gabi Hooffacker berichtete hier aus ihrer Hochschul-Tätigkeit. Sie wollte ihre Studierenden dazu einladen, ChatGPT zu erproben, musste aber feststellen, dass diese längst damit experimentiert hatten. Beeindruckend, ja fast ein wenig erschreckend sei gewesen, dass ein mit KI erzeugter Text über ein kommunales Projekt in Leipzig besser gewesen sei als die Texte der Studentinnen und Studenten. Allerdings sei hier eine Pressemitteilung der Stadt die Grundlage gewesen. Lägen keine konkreten Fakten vor, neige ChatGPT zum Erfinden von Inhalten, was die Referentin anhand des Twitter-Treads über das angeblich preisgekrönte, aber nicht existierende Buch "Oje, ein Zaubernieseln" vorführte.

Allerdings werde KI immer besser und exakter. Richtig angewandt, so Gabi Hooffacker, könnte sie Medienschaffende von Routine-Aufgabe entlasten und somit Freiraum für kreativere oder recherche-intensive Beiträge schaffen. Es sei aber zu befürchten, dass die Verlage oder Sender KI nutzten, um Stellen abzubauen. Sie glaube zwar nicht, dass KI massenhaft Jobs vernichten werde. Mitarbeiter*innen von PR-Abteilungen könnten jedoch Probleme bekommen.

Da es Journalist*innen nicht genügen dürfte, die mit KI erzeugten Artikel hinsichtlich der Faktentreue zu überprüfen, könnte versucht werden, das Publikum stärker an die jeweiligen Medien zu binden. So könnte eine aktive Beteiligung an Themenfindung und Recherche organisiert werden, so Gabi Hooffacker. Auch redaktionell begleiteter Bürgerjournalismus oder Sendeplätze für Bürgerjournalist*innen könnten lohnende Projekte sein. Allerdings stimmten bisherige Erfahrungen nicht euphorisch. Die Beteiligung sei eher gering und mitmachen würden eher Angehörige der Tageszeitungs-Zielgruppe, also Menschen ab 60. 

Immer wichtiger werde konstruktiver Journalismus, führte die Referentin weiter aus. Dieser richte den Blick in die Zukunft und schildere nicht nur Vergangenes. Er biete erklärenden Kontext, zeige Zusammenhänge sowie Lösungs- und Handlungsmöglichkeiten auf. Dabei sei guter konstruktiver Journalismus nicht nur positiv ausgerichtet. Die negativen Seiten eines Themas dürften nicht ausgeblendet werden, erklärte Gabi Hooffacker abschließend. Klaus Schrage