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Freie weiter beschäftigen

Forderung der dju Mittelfranken

Freie weiter beschäftigen

Schreiben ans Nürnberger Medienhaus - Freie können mehr als Termine

In der Corona-Krise haben die Medien - zum Teil trotz Kurzarbeit in den Redaktionen - gute Arbeit geleistet. Die Angebote von Zeitungen und deren Online-Portalen erfreuen sich eines gewachsenen Interesses und eines offensichtlich großen Vertrauens. Dies wird zurecht gewürdigt. Allerdings gilt das Lob zumeist den Redaktionen. Die Arbeit der freien Journalist*innen erfährt weniger bis keine öffentliche Wertschätzung. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union Mittelfranken hat einen Solidarpakt für die Freien vorgeschlagen. Bislang jedoch ohne Erfolg.

Ein von Freien-Vertreter Heinz Wraneschitz im Namen des dju-Bezirksvorstandes unterzeichnetes Schreiben an den Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, Michael Husarek, nimmt Bezug auf dessen Kommentierung zur redaktionellen Arbeit in der Corona-Krise. Darin wurde "der unschätzbare Wert der journalistischen Arbeit" für die Gesellschaft beschrieben. In einem weiteren Artikel in den NN wurde geschildert, wie sich die Arbeitsweise der Redaktion in der Krise verändert.

Überhaupt nicht gewürdigt wurde der Beitrag der zahlreichen freien Mitarbeiter*innen zu den Produkten des Nürnberger Medienhauses. Damit werde, so die von Heinz Wraneschitz vorgetragene dju-Kritik, der Eindruck erweckt, gedruckte Zeitung und Online-Angebote würden ausschließlich von Redakteur*innen gemacht. Tatsächlich jedoch wäre die Zeitung, ohne Freie in vielen Orten des Verbreitungsgebietes nicht mehr präsent. 

Deren besonders prekäre Lage müsse gesehen werden, so das dju-Schreiben weiter. Wenn angestellten Redakteur*innen die Termine wegbrächen, machten sie bei gleicher –oder im Falle von Kurzarbeit annähernd gleicher- Bezahlung eben etwas anderes. Den Freien dagegen fehlten die Aufträge aus den Redaktionen. Diese Situation werde aktuell für viele Kreative zu einer existenziellen Bedrohung. Dabei könnten freie Kolleg*innen, die ja in ihrer Kommune oder auch auf einem speziellen Themengebiet unterwegs seien, gerade jetzt viel zu einem lesenswerten Journalismus beitragen, welcher nicht von Terminen getrieben ist. Die vor Ort tätigen Freien wüssten jede Menge lokale Themen, über die es sich zu berichten lohnt.

Deshalb rief Wraneschitz im Namen der dju die Chefredaktionen des Nürnberger Medienhauses zu einem Solidarpakt auf. Chefredakteur Husarek wurde gebeten, die ihm  unterstellten Ressorts dazu aufzufordern, die vorgesehenen Honorartöpfe für Freie auf jeden Fall auszuschöpfen, indem sie auch in der Krise im gewohnten Maß Arbeitsaufträge erteilen. Dies wäre für die freien Mitarbeiter*innen eine enorme Hilfe und Rückenstärkung.

Michael Husarek hat auf das dju-Schreiben geantwortet, hat den Inhalt allerdings nicht zur Veröffentlichung, sondern nur zur dju-internen Verwendung freigegeben. Erfreulich ist das in dieser Entgegnung enthaltene Fazit nicht, im Gegenteil: Ein Solidarpakt mit den Freien kommt jedenfalls für die Nürnberger Nachrichten nicht infrage. Heinz Wraneschitz: "Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Wertschätzung gegenüber Mitarbeiter*innen zu zeigen, die trotz zumeist niedriger Honorare engagierte Arbeit leisten. Schade, dass das offenbar nicht möglich ist."