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Die Mitglieder haben das Wort

Rückabstimmung zum Tarifabschluss

Die Mitglieder haben das Wort

Persönliches Votum ist am 6. September in Nürnberg gefragt

Am Donnerstag, 6. September 2018, haben die Mitglieder der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di, der dju in den Streikbetrieben Mittelfrankens das Wort. Sie werden gefragt, ob die dju-Tarifkommission das zwischen dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und dem Deutschen Journalistenverband (DJV) vereinbarte Tarifergebnis weiterhin ablehnen oder ihm nachträglich zustimmen soll. Die persönliche Abstimmung - ein schriftliches Votum ist nach der ver.di-Satzung in diesem Fall nicht möglich - läuft von 12.30 bis 14.30 Uhr im Nebenzimmer des Restaurants Marientorzwinger in der Lorenzer Straße in Nürnberg.

Zum Auftakt wird Klaus Schrage, Sprecher der dju Mittelfranken und Vorsitzender der dju-Tarifkommission, zur tariflichen Situation sprechen. Er empfiehlt das Nein. Im Verhandlungsziel sei das Mindestziel des Arbeitskampfes, nämlich ein realer Entgeltzuwachs nicht erreicht worden, zudem drohe im Jahr 2020 eine faktische Nullrunde. Hier habe man in der Verhandlungsnacht vom 1. auf den 2. Juli nicht zustimmen können. Seitdem sei das schlechte Ergebnis nicht besser geworden.

Wie sieht das nach Streiks mit über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und sieben Verhandlungsrunden erzielte Ergebnis aus? Über eine Laufzeit von 31 Monaten, vom Januar 2018 bis Ende Juli 2020, stellen die beiden Erhöhungen von 1,9 Prozent zum Mai 2018 und 2,4 % zum Mai 2019 keine Reallohnsteigerungen dar. Denn derzeit beträgt die Preissteigerungsrate 2,0 Prozent und es ist davon auszugehen, dass sie sich auf diesem Niveau weiterentwickelt.

Die Einmalzahlungen von 500 Euro Ende August 2018 und 600 Euro Ende März 2020 können diese Abkopplung von der Tarifentwicklung nicht ausgleichen, da sie als einmalige Zahlung zwar für einen Moment spürbar und willkommen sind, aber nicht nachhaltig zu Einkommenssteigerungen beitragen.

Für Freie sollen die Text- und Foto-Honorare sowie die Pauschalen für Redaktionsdienste um 1,9 und 2,4 Prozent ab Mai 2018 und im Mai 2019 steigen, und als Einmalzahlung ein Viertel der monatlichen Pauschalen oder ein Viertel eines monatlichen Durchschnitts-Honorars gezahlt werden. Die von uns geforderte Erweiterung des Geltungsbereichs auf Verlage in Mecklenburg-Vorpommern und Hessen wird vom BDZV weiterhin abgelehnt.

Für JungredakteurInnen sieht das Ergebnis besser aus, denn neben den Einmalzahlungen steigern sich die Gehälter für ausgebildete Jung-Redakteurinnen in der Tarifstufe 2b (1. bis 4. Berufsjahr) um 135 Euro, was etwa 4,2 Prozent ausmacht. Zusammen mit der zweiten Steigerung um dann insgesamt 6,6 Prozent wirkt sich das Ergebnis über 31 Monaten dann jedoch auch nur wie eine normale Tarifsteigerung um 2,5 Prozent pro Jahr aus.

Für Volontärinnen und Volontäre werden die Vergütungen allerdings nur einmal mit einer dauerhaften Wirkung von 100 Euro ab dem Mai 2018 erhöht. Für den Rest der Laufzeit werden die Volo-Gehälter dann eingefroren.

In der Urabstimmung wenige Tage vor der siebten Verhandlungsrunde hatten 90 Prozent der dju-Mitglieder in den Streikbetrieben für zweimal 2,8 Prozent mehr Geld bei einer zweijährigen Tarifvertragslaufzeit und 150 Mindesterhöhung für Berufseinsteiger gestimmt.

Tarifkommissions-Vorsitzender Klaus Schrage wünscht sich an erster Stelle ein ehrliches Votum. Sollten die Mitglieder das Nein bekräftigen, zeige die dju Haltung. Sie bliebe streikfähig, was durchaus zu Aktionen in einzelnen Verlagen oder Regionen genutzt werden könne. Sollten die Mitglieder für ein nachträgliches Unterzeichnen des Tarifergebnisses votieren, werde dies akzeptiert. Das bundesweite Resultat werde , so Schrage, für die dju-Tarifkommission verbindliche Grundlage ihrer Beschlussfassung über die Fortführung oder Beendigung der Tarifrunde sein.