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Absolute Wahrheit gibt es nicht

"Medien im Kreuzfeuer" in Nürnberg

Die absolute Wahrheit gibt es nicht

Rege Diskussion mit Sabine Schiffer und Georg Escher

Was ist wahr, was ist gelogen, was ist von den Mächtigen veranlasst? Diese und ähnliche Fragen werden von einer kritischen Öffentlichkeit verstärkt an die Macher*innen von Medien gestellt. Es gibt Unbehagen, aber auch dumpfe Hetze gegen die so genannte „Lügenpresse“. Bei einer Kooperations-Veranstaltung von dju Mittelfranken und Friedensmuseum Nürnberg ist es gelungen, Verständnis für die Arbeit der Medien zu vermitteln.

Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung (IMV) und Georg Escher, Politikredakteur der Nürnberger Nachrichten und langjähriges Bundesvorstandsmitglied der dju in ver.di, waren die Protagonisten des gut besuchten Abends im Nürnberger Gewerkschaftshaus. In ihrem Zwiegespräch wurden zunächst die Arbeitsweise der Presse sowie die Anforderungen bei der Auswahl und beim Bearbeiten von Nachrichten geschildert.

„Die reine Wahrheit gibt es nicht“, sagte Georg Escher vorneweg. Redaktionen hätten es tagtäglich mit einer Flut von angebotenen Themen und Meldungen zu tun. Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten sei es, die Relevanz und den Wahrheitsgehalt von Nachrichten zu bewerten und selbstverständlich auch selbst zu recherchieren. Wichtig sei für Medien ein eigenes Profil. „Eine Zeitung, die großteils aus Agenturmeldungen besteht, hat keine Zukunft“, sagte Escher.

Sabine Schiffer brachte den Begriff „Filterpresse“ ins Gespräch. Sie plädiert dafür, dass Medien verstärkt auf ihre Nutzer zugehen. So hielte sie die Einrichtung von Publikumsräten bei öffentlich-rechtlichen Sendern für sinnvoll. Georg Escher zeigte sich hier skeptisch. Zwar stimmte er zu, dass der Einfluss von Parteien in den Aufsichtsgremien der öffentlichen Sender zu groß sei und da für Ausgleich gesorgt werden müsste. Wer aber die Interessen der Zuschauer repräsentieren sollte, sei aber sehr schwierig zu bestimmen. Aus seiner beruflichen Praxis ergänzte er, dass die Nürnberger Nachrichten gerade dabei seien, Lesern zu ermöglichen, den Journalisten bei der täglichen Arbeit zuzusehen.

Es gelte, darin waren sich die beiden Gesprächspartner einig, der offensichtlichen Entwicklung zu begegnen, dass wachsende Bevölkerungsgruppen in Parallel-Universen abdrifteten und dabei laut vorgetragenen, aber absichtlich gefälschten Nachrichten vertrauten.

Auch Medienkritik falle bei einem erschreckend großen Publikum auf fruchtbaren Boden, sobald sie diffuses Unbehagen bestätigte, sagte Sabine Schiffer. Als besonders übles Beispiel erwähnte sie das Buch "Gekaufte Journalisten" von Ulf Ulfkotte. Der Ex-FAZ-Redakteur bediene gezielt die Vorurteile über die angeblich gesteuerten Medien und verdiene damit viel Geld. Tatsächlich wichtig sei es, so Sabine Schiffer, mit Phantasie und gutem Willen über Modelle für eine nachhaltige Finanzierung eines unabhängigen Qualitäts-Journalismus nachzudenken.

In einer regen Diskussion wurden vielfältige Themen angesprochen. Warum wird über Pegida groß, über Aktionen von Friedensinitiativen aber kaum berichtet? Warum kommt bei der Berichterstattung über Konflikte tatsächlich oder gefühlt nur eine Seite zu Wort? Warum wird in einem Fall schnell eindeutige Schuld zugewiesen – Assad/ Putin -, während im anderen Fall akribisch recherchiert und vage formuliert wird? Etwa: Das Gewerkschaftshaus in Odessa ist abgebrannt?

Warum pflegen Medien einen Adjektiv-Journalismus, bei dem sie Parteien oder Organisationen Begriffe wie „rechtskonservativ“ oder „islamkritisch“ zuordnen? Warum wird Sprache im Sinne politischer Ziele verändert, etwa dann, wenn statt von Flüchtlingen von „Schutzsuchenden“ geschrieben wird?

Und auch ein Thema, das den Gewerkschaften am Herzen liegt, kam zur Sprache: Glaubwürdiger Journalismus braucht angemessene Ressourcen. Wenn zu stark an Personal und Geld für die Redaktionen, aber auch an Honoraren für freie Berichterstatter*innen gespart werde, sei inhaltliche Qualität nicht machbar, merkte ein Diskussionsteilnehmer an. Starker Beifall im Publikum.  Klaus Schrage

Die Einladung von dju in ver.di und Friedensmuseum Nürnberger zum Diskussionsabend wurde zahlreich angenommen. Barbara Schneider Medien im Kreuzfeuer  – Die Einladung von dju in ver.di und Friedensmuseum Nürnberger zum Diskussionsabend wurde zahlreich angenommen.