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Sprache braucht Sorgfalt

Spannender Diskussionsabend

Sprache braucht Sorgfalt

dju und Neue Deutsche Medienmacher hatten eingeladen
In der Nordkurve wurde engagiert diskutiert. Klaus Schrage Sprache braucht Sorgfalt  – In der Nordkurve wurde engagiert diskutiert.

Sprache wirkt verbindend. Oder zerstörerisch. Diese Macht der Worte war jüngst das Thema einer gemeinsamen Veranstaltung von Deutscher Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) und Neuen Deutschen Medienmachern (NDM) in Nürnberg. Die Teilnehmer_innen gestalteten eine spannende Diskussion.

„Wo kommst Du her?“. Klaus Schrage, dju-Sprecher für Mittelfranken, eröffnete den Abend mit diesem gut bekannten Satz und stellte die Frage, ob dieser als ausgrenzend empfunden werden könne. Dies wurde in der Runde bejaht, allerdings war man sich einig, dass es immer auf die konkrete Situation ankomme. Es könne sich auch um positives Interesse handeln. Die Gefahr einer Kränkung des Gegenübers sei aber möglich, die Frage sollte mit Bedacht gestellt werden.

Mit welchen sprachlichen Mitteln ganz bewusst Ausgrenzung betrieben und Hass geschürt wird, berichtete Wolfgang Mayer, langjähriges Mitglied des Deutschen Presserats und dju-Vertreter in der Internationalen Journalisten-Föderation. Er zitierte beispielhaft aus User-Kommentaren auf Facebook-Seiten der AfD. Die Verrohung von Sprache beziehungsweise der Verlust von Hemmungen, sich öffentlich fremdenfeindlich zu äußern, seien unübersehbar.

Es entwickelte sich eine facettenreiche Diskussion. Ein großes Problem der öffentlichen Debatte über Migranten wurde darin gesehen, dass diese als homogene Gruppe betrachtet würden, die mit dem gemeinsamen Interesse kämen, Deutschland massiv zu verändern oder gar auszubeuten. Dabei seien Geflüchtete oder Einwanderer genauso unterschiedlich wie die deutsche Gesellschaft insgesamt.

„Wo sind die ganzen Milliarden für die Bildung eigentlich hin?“, fragte Jean-Francois Drozak von den Neuen Deutschen Medienmachern. In seiner Arbeit als Pädagoge begegne ihm immer wieder ein erschreckendes Maß an Nichtwissen. Es brauche dringend mehr Aufklärung.

Aber auch das wurde gesagt: Selbst lokale Eliten begegneten dem Geschehen in ihrem unmittelbaren Umfeld mit zum Teil großer Ignoranz. Sie ignorierten die örtliche Zeitung und konsumierten allenfalls überregionale Blätter. Dabei entstehe gegenseitiges Verständnis oder Zusammenhalt am besten in der Nachbarschaft.

Doch können Lokalzeitungen diese Aufgabe überhaupt noch erfüllen? Eine Redakteurin meinte: "Ich muss auf mehreren Plattformen arbeiten und muss zusehen, dass mit meinem Material Online-Klicks erzeugt werden. Manchmal komme ich überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Wie soll ich da nachdenken und gute Geschichten schreiben?"

Die Diskussion darf weitergehen...

kls